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Foodtropolis

Der dritte deutsche Global Food Summit fand am 20. und 21. März 2019 im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz statt. Zum ersten Mal wurde die Konferenz in München ausgerichtet; zuvor war sie in Berlin beheimatet. Die Bayerische Staatsregierung, vertreten durch den Cluster Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung, hatte Herrn Becker-Sonnenschein den Head and Founder des Global Food Summit eingeladen, nach München zu kommen. Das Thema der diesjährigen Konferenz lautete: “Foodtropolis - Verändern Städte unsere Wahrnehmung von Essen und Natur?“ Insgesamt 27 Referenten aus China, Kanada, Bangladesch, den Niederlanden, USA und Deutschland stellten ihre Forschungen, ihre Projekte und Ideen vor.

Dr. Simon Reitmeier, Geschäftsführer des Cluster Ernährung und Kurator des Global Food Summits, fasst die zweitägige Konferenz zusammen: „Trends erkennen, Nischen besetzen, Innovationen vorantreiben – das ist das Erfolgsrezept der Zukunft. Um der Zeit einen Schritt voraus zu sein, ist es wichtig eine Vision zu entwickeln und Branchen- sowie Konsumtrends frühzeitig zu erkennen. Über Innovationen, Herausforderungen und Potentiale müssen wir kontrovers diskutieren – und das machen wir auf dem Global Food Summit.“

Global Food Summit, Konferenz 20. März 2019

Michaela Kaniber | Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
„Der Global Food Summit zeigt uns die Hintergründe in der weltweiten Ernährung, beleuchtet Schlüsselfaktoren und stellt die richtigen Fragen. Es ist eine hohe Kunst, die Komplexität und die Faszination von Forschung und Entwicklung zu vermitteln – Sie und Ihr Team, sehr geehrter Herr Becker-Sonnenschein, beherrschen diese Kunst,“ sagte Michaela Kaniber, bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vor rund 250 internationalen Teilnehmern. Die Staatsministerin hielt die Eröffnungsrede und stellte dar, wie wichtig das Thema Lebensmittelproduktion für Bayern ist. Stadt und Land seien dabei gleichermaßen gefordert. „`Foodtropolis` und `Foodvillage` sind für uns kein Widerspruch“. Ländliche Gebiete und Familienbetriebe spielten in der bayerischen Landwirtschaft eine wichtige Rolle – neben disruptiven Innovationen wie Urban Farming, Urban Gardening oder Aquaponic. Bayern wolle dabei „Gründerland Nummer eins in Europa werden“ und „Ideen zu Wertschöpfung werden lassen“, so Staatsministerin Michaela Kaniber. „Die technischen, kulturellen und rechtlichen Herausforderungen dieser Thematik sind so komplex, dass sie von keinem einzelnen Unternehmen, aber auch nicht von einem Staat alleine bewältigt werden können.“

Her Excellency Mariam bint Mohammed Saeed Hareb Al Mehairi | UAE Minister of State for Food Security I Dubai World Expo 2020
Ihre Exzellenz Mariam Al Mehairi, Ministerin für Nahrungssicherheit aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), gab in ihrer Rede Einblicke in die Nahrungsmittelstrategie der Emirate. Ziel ist, bis 2021 unter den Top Ten des Global Food Security Index zu sein und bis 2051 den Index anzuführen. Nahrungsmittelsicherheit bedeutet für H.E. Mariam Al Mehairi, allen Bürgern ein gesundes und aktives Leben zu ermöglichen. Zudem sollen auch in Krisenzeiten und bei Notfällen erschwingliche Lebensmittelpreise sichergestellt werden. Dies ist besonders wichtig für ein Land, in dem derzeit 90 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse importiert werden müssen. Im Mittelpunkt der Lebensmittelpolitik der Emirate stehen Handelserleichterungen im Agrarsektor, eine technologiegestützte Lebensmittelproduktion, die Reduzierung von Nahrungsmittelverlusten, Lebensmittelsicherheit sowie Risiko- und Krisenmanagement. Zudem sollen Governance-Strukturen, Forschung und Entwicklung, Datenaufbereitung und das Ernährungsbewusstsein verbessert und effektiv genutzt werden.

Máximo Torero | Stellvertretender Generaldirektor der Abteilung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung, Food and Agriculture Organisation (FAO), Rom
Der Stellvertretende Generaldirektor der FAO, Maximo Torero, betonte in seiner Rede die Notwendigkeit, die bestehende Ernährungslücke in der Welt zu schließen. Gleichzeitig sollen wirtschaftliche Entwicklungen unterstützt und deren Umweltauswirkungen reduziert werden – ein Balanceakt, wie er anmerkte. Eine besondere Herausforderung für die Gesundheit und die Ernährung der Bevölkerung stelle die Urbanisierung dar. Seine Prognose: Auch in den Entwicklungsländern werden immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Bis 2050 werden demnach ca. zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Für ihn sind deswegen sichere, gesunde und erschwingliche Lebensmittel in Städten essentiell. Digitale Technologien können laut Torero dazu beitragen. Sie müssen jedoch innovativ, effizient und integrativ sein. Seine Schlussfolgerung: Wenn sich die Technologien nicht ergänzen, besteht die Gefahr von Konzentration, Monopolen und Ungleichheit. Als eine Lösungsmöglichkeit für die anstehenden Herausforderungen wie beispielsweise den Klimawandel sieht er die städtische Landwirtschaft. Um positive Effekte zu erzielen, sollten soziale, ökonomische und umwelttechnische Faktoren allerdings zusammen betrachtet werden.

Professor Klaus Josef Lutz | Vorstandsvorsitzender BayWa AG
Professor Klaus Joseph Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG, eröffnete die Start-up Session am ersten Tag. In seiner Rede stellte er heraus, dass die BayWa AG innovative Start-ups aus dem Lebensmittelbereich fördert und der Konzern von der Zusammenarbeit profitiert. Lebensmittelqualität, Preise und Wettbewerb änderten sich ständig. Agile, innovative Antworten auf diese Veränderungen hätten Start-ups. „Wir brauchen einen Wandel der Business-Modelle, neue Ideen, neue Leute, neue Fähigkeiten,“ so Prof. Lutz weiter. Deswegen hat die BayWa zusammen mit RWA - der Raiffeisen Ware Austria AG - ein Agro-Innovation-Lab gegründet, das Akteure aus dem landwirtschaftlichen Bereich zusammenbringt und innovativ denkt.

START UP SPEED DATING & PUBLIKUMS-AWARD
Im Vorfeld des Global Food Summits gab es einen „Call for Start-ups“, bei dem Venture Capital Holders, Business Angels und Industrieexperten Start-ups für die Konferenz empfehlen konnten. Bedingung war, dass die Start-ups disruptive Ansätze verfolgen und sich mit „Vertical Farming“, „Circular Systems“, „Plant and Animal Data Analytics“, „Biotech“, „Packaging“ oder „New Farm to Consumer“-Marktplätzen beschäftigen. Von den empfohlenen Start-ups wurden anschließend einige vom Global Food Summit Kuratorium ausgewählt, die auf der Konferenz pitchen durften. 26 Start-ups hatten sich um den Global Food Summit Publikumspreis beworben. Fünf wurden nominiert und stellten sich auf der Bühne des Global Food Summits am 20. März 2019 vor. Die Session wurde sowohl durch die BayWa AG gefördert, wie auch von Ingo Maurer, einem deutschen Industriedesigner. Die Moderation übernahm Johanna Braun, Head of Innovation and Start-Ups, Global Food Summit.

Es konnte natürlich nur einen Sieger geben: Gewinner ist ein israelisches Start-up, Redefine Meat (www.jet-eat.com), das täuschend echt aussehendes und schmeckendes „Fleisch“ mit Hilfe rein pflanzlicher Zutaten aus 3D-Druckern produzieren möchte.

Jedes der Start-ups hatte drei Minuten Zeit, seine Idee oder sein Produkt vorzustellen. Anschließend gab es eine dreiminütige Fragerunde mit dem Publikum. Am Ende haben die Konferenzteilnehmer abgestimmt, wer gewinnt. Die nominierten Start-ups waren:
Agrilution aus München (www.agrilution.com) ist ein auf „Vertical-Farming“ spezialisiertes Start-up und bietet Systemlösungen für Gemüse- und Kräuteranbau in weniger als einem Kubikmeter. Die klimatischen Bedingungen in den Wachstumsboxen können automatisch pflanzenspezifisch angepasst werden, sodass optimale Voraussetzungen gegeben sind.
Noyanum aus Garching bei München (www.noyanum.de) will unter Einsatz Künstlicher Intelligenz helfen, die Lebensmittelverschwendung in Kantinen und Restaurants zu reduzieren. Hierzu werden Wetterdaten und Besucherzahlen sowie Daten zu Semesterferien und Urlaubstagen in Korrelation gesetzt und daraus errechnet, wie viele Gerichte voraussichtlich verkauft werden.
Regiothek aus Passau (www.regiothek.de) bietet eine Plattform, auf der kleine Betriebe aus der Region zeigen können, wer sie sind und was ihre Produkte einzigartig macht: Landwirte, Imker, Brauer, Metzger, Bäcker, Brenner, Restaurants und unabhängige Läden mit herausragenden Produkten. Die Plattform dient dazu, kleine und lokale Strukturen zu fördern und soll eine „De-Monopolisierung“ voranbringen.
Das kanadische Start-up Quinta (www.quinta.ca) hat den Wertschöpfungsprozess rund um das proteinreiche Quinoa optimiert und erfolgreich am kanadischen Markt etabliert. Das Unternehmen arbeitet eng mit Landwirten zusammen und kann große Mengen an Quinoa auch auf trockenen Böden produzieren.

Global Food Summit 2019, 21. März 2019

Bernhard Krüsken | Generalsekretär des Deutschen Bauernverband e.V.
Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, eröffnete den zweiten Tag des Global Food Summits. „Urban Farming und klassische Landwirtschaft – Wettbewerb oder Partnerschaft?“ war das Thema seines Vortrags. Er zeigte auf, welche Rolle die klassische Landwirtschaft in Deutschland hat, um dann auch auf die Potentiale des Urban Farming einzugehen. Rund 16,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gibt es in Deutschland, der größte Teil davon wird für den Anbau von Getreide genutzt. Das kann von Urban Farming auf absehbare Zeit nicht abgedeckt werden. Gleichwohl sieht Krüsken insgesamt traditionelle Landwirtschaft und innovative „Urban Farmer“ in einer Partnerschaft, in der sich beide Produktionsmethoden ergänzen.

Bernhard Kowatsch | Head of the Innovation Accelerator, UN World Food Programme
Bernhard Kowatsch vom UN-World Food Programme berichtete in seinem Vortrag “Exponential Innovations for the Future of Food and Ending Hunger”, wie neue Denkweisen, neue Problemlösungen und die Zusammenarbeit mit Start-ups helfen können, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Er beschrieb in seiner Rede Initiativen des Innovation Accelerator des UN-Welternährungsprogramms, das verschiedene Akteure zusammenbringt, um innovative Lösungen für die Veränderung des Ernährungssystems zu finden. Beinahe jeder zweite Mensch weltweit habe Zugang zum Internet, so Bernhard Kowatsch. Dies sei ein wichtiger Kanal, um die Bevölkerung zu erreichen und Innovationen zu fördern. Als Beispiel nannte er Start-ups aus Afrika, die bereits mit großen Schritten vorangehen – wie H2Grow, die es ermöglichen, Nahrungs- und auch Futtermittel für Tiere in Wohnungen anzubauen. Bernhard Kowatsch betonte, dass Programme wie der Innovation Accelerator nicht nur innovative Ideen fördern, sondern auch als Brücke für den Technologie- und Wissenstransfer zwischen Industrie- und Entwicklungsländern dienen.

Dr. Michael Binder | Director Sustainability Development, Evonik Industries
Dr. Michael Binder, Director of Sustainability bei EVONIK, erklärte in seinem Vortrag „Sustainable food production – Balancing goals“, wie wichtig es ist, systemisches Denken anzuwenden, wenn es darum geht, neue Food-Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei ging er insbesondere auf die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen ein, die nicht immer alle aufeinander einzahlen. Als Beispiel nannte er neue Aquakultursysteme für Lachse mit pflanzlich basierten Futtermitteln, die einerseits der Überfischung entgegenwirken, andererseits aber viel Energie verbrauchen. Deswegen warf er in seiner Präsentation die Frage auf, wie Entscheidungen ausgewogen getroffen werden können.

Prof. Justus Wesseler | Professor of Agricultural Economics and Rural Policy at Wageningen University, Niederlande
Professor Justus Wesseler, von der Wageningen Universität, referierte zum Thema urbane Landwirtschaft und stellte dabei die provozierende Frage, was von der konventionellen Landwirtschaft eigentlich noch übrig sei. Clean Meat, Aquakulturen, vertikale Landwirtschaft, Insektenzucht und Fleischersatz – das alles ist bereits Realität, Tendenz steigend. Auch wenn die Entwicklungen bisher noch einige Fragen offen lassen, sieht Prof. Justus Wesseler viel Potential in den neuen Technologien. Seiner Meinung nach werden die Produkte in Zukunft gesellschaftlich akzeptiert und auch konsumiert werden. Seine Begründung dafür: Die neuen Produktionsmethoden überzeugen durch ihre Vorteile. Clean Meat und Fleischersatz tragen beispielsweise erheblich zum Tierwohl bei. Durch Aquakulturen kann auch bei starken Wetterschwankungen die Versorgungssicherheit gewährleistet und der Überfischung vorgebeugt werden. Und durch Vertical Farming werden weniger Düngemittel verbraucht als in der konventionellen Landwirtschaft. Die Politik spielt dabei eine entscheidende Rolle für die zukünftige Weichenstellung.

Associate Professor Dr.-Ing. Nannan Dong | Stellvertretender Dekan, College of Architecture and Urban Planning (CAUP), Tongji University, Shanghai
Prof. Nannan Dong, Tongji Universität, zeigte in seinem Vortrag “VV-City: from high-density to high-productivity by rooftop green” auf, wie die Themen “Urban Farming” und “Rooftop Gardening” von ersten Projektstudien über Architekturlösungen bis hin zu Großprojekten in China vorangetrieben werden. 2017 gab es in China 19 Städte, in denen mehr als vier Millionen Menschen leben, dazu 161 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Ein Resultat daraus ist, dass die Kosten für die verfügbare Landfläche generell gestiegen sind – weshalb Flächen möglichst effektiv genutzt werden müssen. In seiner Präsentation stellte Prof. Nannan Dong die bekanntesten Urban Farming Projekte vor, die von der chinesischen Regierung finanziert wurden. Mehrere Gesetzgebungsverfahren und spezifisch definierte Vorgaben haben zudem dazu beigetragen, die Städte zu begrünen. Von 2011 bis 2015 ist die Fläche vertikaler Farmen in Shanghai um eine Million auf 2,62 Millionen Quadratmeter gestiegen. Die meisten Projekte wurden auf Bildungs-, Kultur-, Geschäfts-, und Bürogebäuden realisiert.

Henk Wolfert | Programme Manager Research, Amsterdam Advanced Metropolitan Solutions Institute (AMS) mit freundlicher Unterstützung des niederländischen Generalkonsulates und Amsterdam
Henk Wolfert vom AMS Institut in Amsterdam stellte niederländische Projekte aus der Lebensmittel- und Kreislaufwirtschaft vor. Das AMS vereint drei Bereiche: Bildung, Forschung und Datenerhebung. Diese Schwerpunkte zeichnen sich auch in der Arbeitsweise des Institutes ab. Es analysiert die Probleme und definiert die damit zusammenhängenden Forschungsfragen der Metropolregion Amsterdam, gemeinsam mit Bürgern sowie privaten und öffentlichen Stakeholdern. Ziel ist, schneller zu Lösungen zu kommen und einen sicheren Wandel zu gewährleisten. Zu den sechs Schwerpunktbereichen des Institutes gehören: Urbane Mobilität, Urbane Energie, Kreislaufwirtschaft in Städten, Urban Farming, Urbane Datenerhebung und wetterbeständige Städte, die den Auswirkungen des Klimawandels standhalten. Im Rahmen dieser Schwerpunkte werden Projekte realisiert – beispielsweise zur Klärung der Frage, ob moderne Stadtregionen in der Lage sind, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen.

Cathy Kennedy | Manager of Policy and Intergovernmental Relations at the City of Guelph, Wellington, Canada und Barbara Swartzentruber l Executive Director of Strategy, Innovation and Intergovernmental Relations at the City of Guelph, Wellington, Canada
Barbara Swartzentruber und Cathy Kennedy, beide aus dem kanadischen Guelph, präsentierten ihre Vision für die Stadt. Ihr Ziel ist, Kanadas erste Stadt mit einer Kreislaufwirtschaft zu werden. Die Idee entstand aus der Teilnahme am nationalen Wettbewerb um die „Smart Cities Challenge", die mit einem Preisgeld von zehn Millionen kanadischen Dollar dotiert ist. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass man mit innovativen Ideen soziale Probleme löst. Das Konzept der Stadt basiert auf dem Prinzip „50x50x50“, das heißt: den Zugang zu Nahrungsmitteln um 50 Prozent zu verbessern; 50 neue Möglichkeiten für Nahrungsmittelkreisläufe zu schaffen und die Einnahmen aus diesem neuen System um 50 Prozent zu steigern. Durch neue Initiativen wie den Circular Economy Innovation Hub, den Harvest Impact Fund und Investitionen in Aus- und Weiterbildung soll ein Systemwechsel erzielt werden. Der Systemwechsel besteht darin, eine neue Form der Lebensmittelproduktion aufzubauen, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, neue Jobs zu schaffen, neue Netzwerke aufzubauen und ein neues Ökosystem zu etablieren.

Peter Verstrate, CEO Mosa Meat, Maastricht
Peter Verstrate, CEO von Mosa Meat, nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise. Diese begann 2013, als Mosa Meat den weltweit ersten schlachtfreien Hamburger auf einer Pressekonferenz in London vorstellte. Das Produkt war das Ergebnis jahrelanger Forschung an der Universität Maastricht. Der Burger kostete stolze 250.000 Euro das Stück. Ziel der Forschung ist, eine neue Methode zur Herstellung von Stammzellen-Fleisch zu finden, um die schnell wachsende Bevölkerung auf nachhaltige, gesunde und tierfreundliche Weise zu ernähren. Für ein Burger-Patty aus konventioneller Tierhaltung werden beispielsweise 6,7 Pfund Futtermittel, 200 Liter Wasser, 74,5 Quadratmeter Land für den Futtermittelanbau und 1.036 fossile Energie benötigt. Das gilt es mit Stammzellen-Fleisch zu unterbieten. Peter Verstrate machte zudem deutlich, dass der Fleischkonsum nicht nur ethische oder moralische Probleme mit sich bringt, sondern auch ein ganz praktisches: Die notwenige Fläche für den Nahrungsmittelanbau ist begrenzt. Zurzeit konzentriert sich das Unternehmen auf die Skalierung des Produktionsprozesses und die Markteinführung der ersten Produkte in den nächsten drei bis vier Jahren. Ziel des Unternehmens ist, das Stammzellen-Fleisch erfolgreich auf dem Markt zu etablieren.

Dr. Andreas Blüthner, Director Food Fortification and Partnership, BASF
Dr. Andreas Blüthner, Director Food von BASF, zeigte zum Beginn seiner Präsentation den Zuwachs der Weltbevölkerung und damit einhergehend eine weltweit zunehmende Verstädterung auf. Die Länder mit der höchsten Zahl an Stadtbewohnern werden 2050 voraussichtlich die USA, Nigeria, Mexiko und Brasilien sein. Wenn die Menschen zukünftig vermehrt in Städten lebten, müsse die richtige Ernährung, insbesondere für Kinder, auch genau dort sichergestellt werden. Das könne unter anderem durch Fortifikation, also Anreicherung der Nahrungsmittel, geschehen, wie beispielsweise dem Zusatz von Vitamin A im Speiseöl. Er verwies darauf, dass etwa 53 Prozent der afrikanischen Bevölkerung derzeit unter Vitamin A-Mangel leiden. Für Dr. Andreas Blüthner kann Unterernährung nur wirksam bekämpft werden, wenn die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette einbezogen wird. Deswegen bilden Faktoren wie die Lebensmittelproduktion, die Lebensmittellagerung und die Nahrungsmittelsicherheit die Pfeiler für das Food Innovation Cluster für Afrika von BASF.

Dr. Georg Schirrmacher l Managing Director, Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) Food Co-Location Center (CLC) Central in München/Freising
Dr. Georg Schirrmacher vom European Institute of Innovation and Technology (EIT Food) betonte die wichtige Rolle von europäischen Initiativen wie dem EIT Food bei disruptiven Innovationen. Das EIT Food ist eine europäische Wissens- und Innovationsgemeinschaft, die aus Konsumenten, Unternehmen, Start-ups, Forschern und Studenten besteht. Sie ermöglicht jungen Unternehmen, neue Technologien auf den Markt zu bringen und dadurch den Lebensmittelsektor zu verändern – ihn nachhaltiger, gesünder und umweltfreundlicher zu machen. Fragmentierte Lieferketten, mangelnde Transparenz bei der Lebensmittelproduktion und das Fehlen einer unternehmerischen Kultur sind einige der Herausforderungen, die die jungen Unternehmen bewältigen müssen. Derzeit sind nur drei von zehn Unternehmen in der Lage, ihre Technologien auf den Markt zu bringen, so Dr. Georg Schirrmacher. Durch finanzielle Förderungen der europäischen Initiative soll diese Zahl erhöht werden. Um Wissensaustausch zu erleichtern, hat EIT Food zudem fünf Innovations Hubs in 15 Mitgliedsstaaten der EU ins Leben gerufen.

Dr. S. M. Abdul-Awal | Professor am Department of Biotechnology and Genetic Engineering, Khulna University, Bangladesh & Fulbright Scholar & Beahrs ELP Alumni an der University of California, Berkeley
Prof. Abdul-Awal, Khulna Universität, betonte die Notwendigkeit von landwirtschaftlichen Alternativen in Bangladesch aufgrund von besonderen Wetterbedingungen: Überflutungen, Dürren, Tornados, Zyklone – unter diesen Bedingungen muss Bangladesch Landwirtschaft betreiben. Um zu demonstrieren, welche innovativen Ansätze bereits auf kleinster Ebene die Landwirtschaft in Bangladesch verbessern können, zeigte Prof. Abdul Abwahl einen Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm der BBC (https://www.youtube.com/watch?v=CONfhrASy44). Er dokumentiert die schwimmenden Felder von Bangladesch, ein von der FAO anerkanntes Kulturerbe. Diese schwimmenden Farmen ermöglichen den Anbau von Lebensmitteln auch bei Überschwemmungen, Stürmen und anderen Naturkatastrophen.

Alexander Franke | Manager Business Development & Innovation K+S KALI GmbH
Alexander Franke von der K+S Kali GmbH stellte in seiner Rede vor, wie sein Unternehmen, obwohl traditionell dem Bergbau verhaftet, Innovationen in der städtischen Landwirtschaft unterstützt. Er sieht insbesondere in der Diversifizierung von Geschäftsmöglichkeiten einen Weg, um den Veränderungen in der Landwirtschaft gerecht zu werden. Im Jahr 2017 hat K+S deshalb seine Unternehmensstrategie neu formuliert. K+S Kali richtet beispielsweise Innovationslabore ein, in denen Themen wie Stadtlandwirtschaft und Vertikal Farming erforscht werden. Zudem verwies Alexander Franke auf die Urban Farming App von K+S Kali, die den Nutzern Informationen darüber liefert, welche Urban Farming Projekte es in ihrer Nähe gibt.